Saasa: Ein Schauplatz gesamtdeutscher Rotkreuzgeschichte

Am 26. Oktober 2023 weihte DRK-Vizepräsident Dr. Volkmar Schön in Saasa (Eisenberg/Thür.) in einem Festakt die Gedenkstätte für die erste Generaloberin des Verbands der Schwesternschaften vom DRK, Elisabeth Tomitius, und weiterer Rotkreuzschwestern ein. Der Gedenkort wurde in diesem Frühsommer auf dem Friedhof von Saasa neu hergerichtet.

Die Neugestaltung nahm das Deutsche Rote Kreuz zum Anlass, um auf einen besonderen Ort der Rotkreuzgeschichte und das Wirken der Schwestern an diesem Ort aufmerksam zu machen. Im Vorfeld des Festaktes referierten Peter Schreiber, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Jena-Eisenberg-Stadtroda, und Dr. Volkmar Schön zu den geschichtlichen Hintergründen des heutigen Rotkreuz-Gedenkortes.

Die Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes, insbesondere der DRK-Schwesternschaft, ist eng mit dem Ort Saasa verbunden. Anlässlich des kaiserlichen Geburtstages im Jahr 1912 teilt der Eisenberger Fabrikbesitzer Gotthard Pabst, Mitinhaber von Türk & Pabst Conserven-Delikatessen, dem Centralkomitee des Preußisches Landesvereins vom Roten Kreuz mit, dass er und seine Ehefrau Else ihre umfangreiche Wurstfabrik in Saasa (1880 erbaut) mitsamt dem dazugehörigen Wohnteil zu Wohltätigkeitszwecken dem Roten Kreuz übertragen. In der Folgezeit schuf das Rote Kreuz hier ein Schwesternerholungsheim, ein Weisenhaus sowie Ausbildungsmöglichkeiten im landwirtschaftlichen Bereich. Schließlich gründete der Verband Deutscher Mutterhäuser vom Roten Kreuz in Saasa auch eine eigenständige Schwesternschaft, die Else-Schwesternschaft. Spuren dieser Vergangenheit finden sich heute noch im Ortsteil von Eisenberg und insbesondere in der heutigen Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge in Eisenberg.

Der Eisenberger Bürger und regionale DRK-Historiker Bernd Greibich schreibt zur Geschichte des Objekts:

Unter Leitung des Stararchitekten Paul Brandes und des Maurermeisters Franz Röhrborn aus Eisenberg lässt das Rote Kreuz die Anlage dann zu einem Schwestern-Erholungsheim umbauen. Oberin Frieda Guse übernahm am 07.02.1913 bereits die Leitung des Schwesternheimes. Die nicht unerheblichen Kosten werden aus Spenden – teilweise auch wieder von Gotthard Pabst – und Zuschüssen des Zentralkomitees gedeckt.

Bilder: Gebäude Schwesternheim und Herzogin Adelheit von Sachsen-Altenburg

Am 10. Juli 1915, also mitten im Krieg, wird das Heim in Anwesenheit der Herzogin Adelheit von Sachsen-Altenburg und anderer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eingeweiht. Zu Ehren der Ehefrau des Stifters erhält es den Namen Else-Haus. Das zweistöckige Haupthaus bietet Platz für vierzig bis fünfzig Schwestern, die sich hier in landschaftlich schönster Lage erholen können. Gegen ein geringes Aufgeld ist es ihnen auch gestattet, sich von einer weiblichen Angehörigen begleiten zu lassen. Das Haus liegt nahe dem Mühltal in einem Tannenwald, in dem auch eine kleine Hängemattenkolonie installiert ist. Es verfügt über einen Hausgarten und eine Dachterrasse. Die Leitung des Hauses obliegt der Oberin Frieda Guse und Oberschwester Marie von Tiedemann. Bereits im zweiten Jahr verzeichnet es rund fünfhundert Schwestern und siebzig Angehörige als Kurgäste. Ein separates Gebäude soll als Altersheim für Schwestern dienen, während ein etwas abseitsstehendes sogenanntes Ehehaus vom Ehepaar Pabst fortan als Feriendomizil genutzt wird.

Bild: Rotkreuzschwestern auf der Jenaer Straße in Saasa

Der Krieg zieht dann weitere Anforderungen nach sich. Das Zentralkomitee beschließt, dem Schwesternheim ein Waisenhaus anzugliedern. Kinder, deren Väter im Krieg gefallen und deren Mütter ebenfalls verstorben sind, sollen darin eine neue Heimat finden.

Bei der Eröffnung halten zunächst acht Kinder Einzug. Ihre Zahl steigt bald auf neunundzwanzig, wobei es sich zumeist um noch nicht schulpflichtige Kinder handelt. „Späterer Zeit bleibt es vorbehalten zu entscheiden, ob sie, je nach ihrer Anlage, noch Unterricht in höheren Schulen von Eisenberg genießen sollen, oder ob die Volksschulbildung als genügende Grundlage für ihre fachliche Ausbildung erachtet werden darf. Gedacht ist, die Mädchen später nach ihrem Wunsch und nach ihrer Begabung entweder im Haushalt zu einer Art von „Hausschwestern“ oder auch zu Hausmädchen heranzubilden, oder aber ihnen in den dem Hause angeschlossenen und durch neue Ankäufe vergrößerten Ländereien eine tüchtige Schulung zu Gärtnerinnen zu teil werden zu lassen“, heißt es in einer Broschüre zum Schwestern-Erholungsheim und Kriegerwaisenhaus vom Roten Kreuz in Saasa bei Eisenberg i/Th. von 1916. Bald erfolgt auch tatsächlich eine beträchtliche Erweiterung des Geländes durch Ankauf angrenzender Bauerngüter. Dass die beiden unterschiedlichen Nutzungen der Anlage keine Probleme bereiten, findet sich an anderer Stelle festgehalten: „Die ursprünglich gehegte Besorgnis, die Anwesenheit vieler Kinder könne den ruhebedürftigen Schwestern des Erholungsheimes lästigfallen, hat sich nicht bestätigt. Im Gegenteil bildet für die Letzteren das lustige Treiben des kleinen Volks eine stete Quelle der Freude.“

Am 24. Oktober 1919 erscheint in den Saasaer Unterlagen, anlässlich einer Kuratoriumssitzung neben dem Namen von Prof. Dr. Kimmle, Generalsekretär des Zentralkomitees der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz, auch der Name von Oberin Elisabeth Tomitius (04.05.1868 – 23.04.1945) – Vorstandsmitglied des „Verbandes Deutscher Mutterhäuser vom Roten Kreuz“. Sie wurde 1926 zur Generaloberin dieser Einrichtung ernannt und war maßgeblich an dem  Aufbau der als „Schwesternhochschule“ bezeichneten Werner – Schule beteiligt. Sie führte auch die Bezeichnung „Reserveschwester“ ein, welche mit Einzelverträgen von den Behörden als Gesundheit – und Kreisfürsorgerinnen angestellt waren. Diese höchste Funktion übte Elisabeth Tomitius bis zum 01.03.1935 aus. Sie leitete von Saasa aus, die Oberinnen – Vereinigung im Deutschen Roten Kreuz bis zu ihren Tod am 23.04.1945. Sie wurde, wie 12 weitere Rotkreuzschwestern, auf den Schwesternfeld des Saasaer Friedhofes beigesetzt. Ihre Büste steht noch heute in Düsseldorf auf den Staffelfelder Friedhof und in der Eingangshalle der Schwesternschaft Berlin e.V.

Bild: Generaloberin Elisabeth Tomitius

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